Eine brotlose Autorin wird von ihrem eigenen Buch so gefesselt, dass sie es um jeden Preis zu einem Bestseller machen möchte. Dazu bedarf es einiger sehr ungewöhnlicher Recherchen, denn sie glaubt, dass sie nur wirklich Erlebtes schreiben kann. Begleitet wird sie dabei ungewollt von einem schizophrenen Verleger, einer egoistischen Psychologin und manch anderen eigenartigen Personen. Wie weit geht sie? Ist sie als Thrillerautorin auch bereit zu töten? Nur um das Buch in die Charts zu bringen. Oder schafft es einer ihren Weg aufzuhalten. Dies ist bereits der dritte gemeinsame Thriller der Co-Autorinnen Pfolz-Grüneweg und Spannung ist auf jeden Fall garantiert.

 

https://www.karinaverlag.at/products/todlicher-bestseller-karin-pfolz-und-verena-gruneweg-erscheint-im-april/

 

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Der Beobachter 

Der Sommer geht und der Herbst naht mit kleinen Schritten. 

Ich liebe diese Nächte, sie sind einzigartig. Wenn die Sonne untergeht, spürst du, wie ein warmes Lüftchen weht, zart streichelt es dich, gibt dir Raum zum Atmen. Keine schwüle Hitze, die einen den Schweiß den Rücken herunterrinnen, aber auch keine Kälte, die dich frieren lässt. Es ist wunderbar hier in der Dunkelheit, auf dieser Bank. Perfekt um der Beobachter, der Späher zu sein. Alleine, nur die Sterne sehen mir zu, wie ich an diesen Platz verweile. 

Der Tag fordert alles an Geduld von mir, das Licht und seine Helligkeit zu ertragen. Dabei wandern, egal was ich tue, meine Gedanken immer wieder zurück zu diesem Platz. Die Unruhe, wenn langsam die Dämmerung einsetzt, ist für mich kaum zu ertragen. Doch dann umhüllt mich der Mantel der Finsternis, und ich spüre ein Glücksgefühl, denn nun ist es soweit. Die Nacht und ich werden eins. Ich, als ihr Geschöpf, gehe, um meinen Auftrag zu erfüllen. 

Jetzt ist der Moment gekommen, dass ich endlich zu ihr darf. 

Seit Stunden sitze ich hier, schaue nach oben zu dem erleuchteten Fenster im zweiten Stock. Sehe die Frau, wie sie geschäftig hin- und her läuft. Manchmal bleibt sie stehen und schaut aus dem Fenster. Dabei erkenne ich, dass sie telefoniert und unablässig zu reden scheint. Ein Lächeln liegt auf ihrem Gesicht und sie sieht zufrieden aus. Auch ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. Gleichzeitig schüttle ich leicht meinen Kopf. Wie naiv doch manche Menschen sind, sie genau wie all die anderen! Die Vorhänge geöffnet, geben sie jedes Detail ihrer kleinen, privaten Welt kund. Auf den Gedanken, dass dort unten jemand sein könnte, der genau diese kennen lernen möchte, um sie für sich zu nutzen, kommen sie nicht. 

Natürlich gibt dies auch ihr die uneingeschränkte Sicht, den Blick frei auf das Geschehen auf der Straße. Aber selbst wenn sie sich anstrengte, sie könnte mich nicht entdecken. Die Straßenlampe neben mir ist schon seit ewigen Zeiten kaputt. Irgend jemand hat das Glas und die Glühbirne zerstört. In dieser Gegend macht sich niemand die Mühe, sie zu reparieren. Die nächste Lichtquelle ist weit genug entfernt, um nicht einmal einen Schimmer von Helligkeit auf mich zu werfen. 

»City of Angels« – laut dröhnt die Musik von 30 Seconds to Mars in meinen Ohren. Ich brauche das, um zu vermeiden, von all den Geräuschen, die mich umgeben, abgelenkt zu werden. Ich kenne die Bedeutsamkeit, dass jedes Detail, das meine Augen entdecken, im Verstand gespeichert werden muss. Nur mit vollster Konzentration ist dies möglich. Störende Autogeräusche oder auch nur ein zu laut gestellter Fernseher lenken mich ab. Die Wellen der Musik hingegen untermalen das, was ich sehe. 

Wenn es dort oben nichts zu entdecken gibt, lass ich meine Gedanken schweifen, sehe anderen Menschen in ihren Wohnungen zu, wie sie vor den Fernsehern sitzen. Ich denke darüber nach, was es wohl sein könnte, das heute ihrer Unterhaltung dient. Eine Serie wie »Criminal Minds« oder auch ein spannender Thriller? Immer wieder faszinierend für mich diese Treuherzigkeit derer, die sich Morde und die damit verbundenen Opfer und Täter anschauen. Sie sind gefangen in dem, was dort über den Bildschirm flimmert, aber sobald sie den An- und Aus-Knopf drücken, ist das, was sie gesehen haben, aus ihren Köpfen verschwunden. Sie gehen ihren normalen Leben nach und kämen nie auf die Idee, vielleicht selbst eines Tages zum Opfer zu werden. 

Egal ob sie in der Dunkelheit alleine durch die Straßen radeln und jedem ohne Bedenken ihre Haustür öffnen. Sie ahnen nicht, dass der nette Handwerker, Postbote oder auch der nervige Nachbar, der sein könnte, der ihrem Leben ein Ende setzen will. Sie fühlen sich in Sicherheit, bis ihnen jemand, wie ich es bin, begegnet und die Erkenntnis, dass die Welt nicht nur aus guten Menschen besteht, für sie zu spät kommt. Auch ich liebe gute Thriller –Bücher, Filme oder Fernsehserien. Sie bleiben jedoch in meinem Kopf verankert. Für mich sind sie das beste Lehrmaterial, um Fehler zu vermeiden, die meinem Unterfangen ein Ende bereiten würden. 

Beinahe hätte ich das Pärchen, das einige Schritte von mir entfernt auf dem Bürgersteig läuft, nicht bemerkt. Arm in Arm gehen sie dicht aneinander geschmiegt und halten immer wieder an, um sich zu küssen. Ein schöner Anblick, glücklich verliebte Menschen, selbst für mich. Allerdings habe ich nicht die Zeit, ihn zu genießen. 

Mechanisch ziehe ich mir die Kapuze meines schwarzen Pullovers tiefer ins Gesicht. Auch wenn heute Nacht nichts passiert, ist es immer besser, dafür zu sorgen, dass niemand dein Gesicht sieht. Die Gefahr, dass er sich zu einem späteren Zeitpunkt daran erinnert, ist zu groß. Ich verstehe mein Handwerk und weiß, was ich zu tun habe, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Bei meinem, sagen wir mal, etwas ausgefallenem Hobby lernt man dies sehr schnell. Tarnung ist davon eines der wichtigsten Details, darum auch der schwarze Kapuzenpulli. Schwarz ist eine unauffällige Farbe, nicht so grell wie Gelb oder hell wie Weiß. Mit ihr verschwindest du am Tage in der Masse der Menschen, da fast jeder so etwas trägt. Und des Nachts verschmilzt du mit der Dunkelheit. Die Vorzüge der Kapuze habe ich ja bereits erläutert. 

Das Pärchen zieht herumalbernd an mir vorbei und würdigt mich keines Blickes. Es ist wie immer, ich bin für sie nur ein langweiliger Schatten, den sie, sobald sie mich gesehen haben, sofort wieder vergessen. Genau so, wie ich es möchte. 

© Pfolz/Grüneweg