Meine Gedanken zum Buch: Warum leben viele Menschen nicht miteinander, sondern bekämpfen sich gegenseitig, nur um besser und grösser zu sein? Warum ist der Egoismus so vordergründig und das Schicksal des anderen interessiert nicht? Es zählt nicht das gleiche Recht für alle, sondern nur das Recht, das einzelne für sich beanspruchen. Warum bringen erst schlimme Erfahrungen die Menschen zum Umdenken - und warum erinnern wir uns nicht daran, dass wir alle gleich sind - wenn wir geboren werden und auch im Tod? Genau diese Überlegungen haben mich veranlasst "Tränen gibt es überall" zu schreiben, um einfach einmal zum Nachdenken anzuregen.

 

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Auszug
Als Karina auf der Trage in die Notaufnahme des St. Bernwardkrankenhauses gebracht wurde, erkannte der diensthabende Stationsarzt sie sofort und gab ohne Verzögerung die Anweisung, sie sofort in die Unfallchirurgie zu verbringen. Auf dem Weg dorthin ließ er sich noch über die vom Notarzt gestellte Diagnose und über die bisher eingeleiteten Maßnahmen informieren, damit ohne Unterbrechung eine Weiterbehandlung stattfinden konnte. Zunächst aber wurden Röntgenuntersuchungen angeordnet, um Art und Ausmaße der Verletzungen zu erfahren.
Zwischenzeitlich war auch Prof. Dr. Reckwitz informiert, noch vor kurzer Zeit Karinas Chef.
Dieser kam eilends hinzu. Das Entsetzen war ihm anzumerken. Wer hätte auch damit gerechnet, Karina auf diese Art so schnell wiederzusehen.
Routiniert führte er aber die anschließende Untersuchung mit Hilfe der vorliegenden Röntgenaufnahmen durch.
Nun war Eile angesagt, denn es wurden innere Blutungen festgestellt, die von einem Milzriss herrührten. Ferner waren zwei Rippenbrüche zu erkennen und einige kleine Schnittwunden. Was allen aber die meisten Sorgen bereitete war, dass Karina immer noch nicht bei Bewusstsein war.
Die Notoperation wurde eingeleitet und von dem Professor selbst durchgeführt.
Ein Team von insgesamt zehn Leuten war bemüht, Karinas Leben zu retten.
Robert rannte zum Informationsschalter des Krankenhauses und schrie fast, als er die dort beschäftigte Schwester ansprach:
„Mein Name ist Bellings. Meine Frau Karina Bellings hatte einen Autounfall und ist hier eingeliefert worden. Wo ist sie? Wie geht es ihr?“
Ein bisschen erschrocken reagierte diese aber sofort und gab ihm die Auskunft, dass Karina gerade operiert wurde und sie über den Gesundheitszustand nichts wüsste. Er sollte doch bitte in die Unfallchirurgie gehen, den Gang entlang, dann links. Hier würde er die weitere Wegbeschreibung finden.
Ohne etwas zu erwidern rannte Robert los. Er kam atemlos in der Station an. Als er am Schwesternzimmer vorbeieilte, um zu den Operationssälen zu gelangen, wurde er von einer ehemaligen Kollegin aufgehalten, die ihn als Karinas Mann identifizierte.
„Herr Bellings, Herr Bellings, warten Sie. Karina wird noch operiert. Sie können nicht dort hinein. Bitte kommen Sie zurück.“
„Ich möchte wissen was mit meiner Frau ist. Was fehlt ihr? Wie schwer ist sie verletzt? Mein Gott, kann mir denn niemand sagen was los ist?“
Die Schwester, die inzwischen auf Robert zugegangen war, fasste ihn am Arm und sagte:
„Wir alle sind entsetzt über diesen Unfall, aber wir wissen im Moment auch noch nichts Genaues über die Verletzungen. Bitte Herr Bellings, kommen Sie mit ins Schwesternzimmer. Sobald ein Arzt den Operationssaal verlässt, sind Sie der erste, der etwas erfährt, das verspreche ich Ihnen.“
Widerwillig ging Robert mit.
„Was ist überhaupt passiert?“
fragte er erneut.
„Ich war viel zu durcheinander als die Polizei bei mir anrief und dachte nur daran, schnellstmöglich zu meiner Frau zu kommen. Da habe ich weiter keine Fragen nach dem Unfallhergang gestellt. Wissen Sie wie es dazu kam?“
„Soweit mir bekannt ist, war es wohl ein Frontalzusammenstoß mit einem Lastwagen. Der Fahrer soll am Steuer eingenickt sein, dabei die Spur gewechselt haben und so den Frontalzusammenstoß verursacht haben. Mehr weiß ich leider auch nicht.“
beantwortete die Schwester seine Frage.
Robert setzte sich vor dem Schreibtisch nieder, hielt sich die Hände vors Gesicht und begann zu schluchzen:
„Oh meine Karina, meine liebste Karina, was ist Dir bloß passiert? Warum gerade Dir?“
Die Schwester trat zurück und ließ Robert allein, denn sie konnte sich vorstellen, was gerade in diesem Mann vorging.
Es war dann Professor Reckwitz, der den verzweifelten Robert informierte.
„ Herr Bellings, es tut uns allen so schrecklich leid was mit Ihrer Frau geschehen ist. Wir mussten eine Notoperation durchführen. Sie hat bei dem Unfall einen Milzriss und zwei Rippenbrüche erlitten.
Die inneren Blutungen durch den Milzriss konnten wir stoppen und auch eine Erstversorgung der Brüche vornehmen. Was uns allerdings große Sorgen bereitet ist die Tatsache, dass Ihre Frau, bedingt durch ein Schädel-/Hirntrauma, bislang nicht ansprechbar ist. Mit anderen Worten, sie liegt im Koma und ihr Zustand ist nach wie vor kritisch.“
Es war wie ein Faustschlag in sein Gesicht. Sein Herz hämmerte und er hatte das Gefühl, jeden Augenblick zusammenzubrechen. Mit aller Kraft stellte er die Frage:
„Wird sie es schaffen, Herr Professor?“
„Leider kann ich diese Frage weder mit ja noch mit nein beantworten. Die nächsten Stunden werden es zeigen. Die Operation ist zwar gut verlaufen, jedoch müssen wir abwarten, ob sich Komplikationen einstellen. Seien Sie aber versichert, dass wir alles in unserer Macht stehende unternehmen .“
„Dann kann ich nicht zu ihr?“
stammelte Robert.
„Im Moment befindet sie sich noch unter ständiger Kontrolle. Da ist ein Besuch nahezu unmöglich. Ich weiß, dass Sie sie sehen möchten, aber tun Sie sich den Gefallen und warten damit bis Morgen. Helfen kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand. Es ist allein an ihr zu kämpfen.“
Wie gelähmt war Robert als er sich vom Professor verabschiedete. Er hinterließ bei der Schwester nur noch seine Telefonnummer, unter der er Tag und Nacht erreichbar war, um dann den gutgemeinten Rat zu befolgen und nach Hause zu fahren, da er im Krankenhaus nichts für Karina tun konnte. Er musste ja auch seine Schwiegereltern informieren, die bei ihm auf eine Nachricht warteten.
Aber gleich morgen früh wollte er wieder hier sein.
© R.D.V. Heldt