Sie war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Ein kurzer Augenblick nur, doch dieser reichte aus, damit er sie sah. Sie, die Frau, die er begehrte, die sein werden musste. Doch sie hatte andere Pläne in ihrem Leben. Das konnte er nicht zulassen. Sie war sein! Minutiös spionierte er ihren Tagesablauf aus und begann dann seinen Terror auf sie niederzuschmettern.
„Hallo, meine Schöne“ ist ein Krimi, der sich mit dem Thema Stalking befasst. Witzig, spannend und lebensnah erzählt die Autorin die Qualen von Opfer und Täter.

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Auszug
Barfuß, nur mit Slip und Männeroberhemd bekleidet, steht die junge Frau in einem schummrig ausgeleuchteten Gang. Wo bin ich? Verwirrt schaut sie sich nach allen Seiten um. So sehr sie sich auch anstrengt, es fällt ihr keine passende Antwort ein. Nichts kommt ihr bekannt vor. Außer einem langen Flur, der einst perfekt weiß gestrichen war, sieht sie nur schmutzig und schäbig aussehende Fliesen auf dem Boden. Der Blick wandert langsam hinauf zur Decke. Dort befinden sich Neonröhren, die im Abstand von zwanzig Schritten hängen. Sie beobachtet, dass nur jede zweite oder dritte Lampe intakt ist und die übrigen mit Knack- und Surrgeräuschen auf sich aufmerksam machen. Irgendwie erinnert mich das an einen der Psychiatrieflure, die ich schon in diversen Horrorfilmen gesehen habe, geht es ihr durch den Kopf. Bei diesem Gedanken läuft ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken. „Hallo, ist da jemand?“, ruft sie. Dabei dreht sie sich ein paar Mal um die eigene Achse.
Eine der hinteren Neonröhren antwortet mit einem lauten Knall und anschließendem Funkensprühen.
Erschrocken schreit sie kurz auf: „Aah.“ Das Herz schlägt ihr bis zum Hals, während sich der zitternde Körper ̶ mit dem Rücken an der Wand, Zentimeter für Zentimeter ̶ in die entgegengesetzte Richtung schiebt. „Hallo, ist da jemand?“ Dieses Mal hört sie ein leises Jammern und Stöhnen. Es klingt so erbärmlich, dass sich augenblicklich ihre Nackenhaare aufstellen. Zwischen Angst und Neugierde hin- und hergerissen nimmt sie allen Mut zusammen und ruft: „Hallo? Wo sind Sie? Ich kann Sie hören. Haaallooo?“ Immer noch mit dem Rücken zur Wand tasten sich ihre nackten Füße vorsichtig weiter. Mit jedem Schritt hat sie das Gefühl, der Stimme etwas näher zu kommen.
„Haaallooo, wo sin...“ Noch bevor sie den Satz beenden kann, tauchen wie aus dem Nichts lauthals kreischend zwei dicke Ratten auf. Sie rennen den Flur hinunter. Dabei sieht es so aus, als würde der eine Nager den anderen jagen.
Als ob dies nicht genug wäre, erlischt direkt über der jungen Frau die nächste Neonröhre mit einem lauten Knall. Erneut reagiert ihr Körper reflexartig erst mit Zusammenzucken, dann folgt ein Aufschrei: „Aah.“ Zur gleichen Zeit versucht die rechte Hand ihr Herz daran zu hindern, vor Angst aus der Brust zu springen. Oh mein Gott!
Um sich von dem Schrecken zu erholen und um die Gedanken zu ordnen, schließt sie kurz die Augen und atmet ein paar Mal langsam tief durch. Ein und aus! ... Ein und aus! ... Ein und aus!
Wieder ist in der Ferne ein Stöhnen und Jammern zu hören.
Beides erscheint ihr jetzt sogar flehender und lauter zu sein als noch vor einigen Minuten. „Ich komme! Sagen Sie mir, wo Sie sind“, ruft sie und macht sich auf den Weg. Kaum glaubt sie sich am Ziel, muss sie feststellen, dass nach jeder Abzweigung ein neuer Flur wartet. Wo zum Teufel bin ich? Kein Mensch weit und breit zu sehen. Alles sieht gleich aus! Wie soll ich hier wieder rauskommen?
Gerade als sie aufgeben will, erregt etwas ihre ganze Aufmerksamkeit.
Auf der rechten Seite ̶ nur ein paar Schritte entfernt ̶ befindet sich eine Tür ...
© Katy Buchholz