Zauberhafte Geschichten, gemalt mit der Fantasie, für die Fantasie der Kinder, finden sich in diesem Buch. Die hier geschriebenen Worte entstanden bei Malkursen an Schulen in Wien. Viele davon wurden bereits als Klassentheaterstücke aufgeführt. Wir laden euch ein, auf eine Reise, geboren in der Seele der Kinder.

 

https://www.karinaverlag.at/products/gemalte-geschichten-von-karin-pfolz/


https://www.amazon.de/Gemalte-Geschichten-Karin-Pfolz/dp/3950387323/ref=la_B00MHZIJ04_1_5?s=books&ie=UTF8&qid=1524026960&sr=1-5

 

Der Tanz ins Leben
Ein Märchen
Ein Traum, nur ein kleiner Traum. Tanzen können wie Odette im Schwanensee. Doch so klein der Traum auch war, er war nicht umsetzbar. Unmöglich.
Das Mädchen gab aber nicht auf und jede Nacht lag sie in ihrem Bett und träumte. Vom Schwanensee, von Odette. Aber Sie konnte nicht tanzen. Es ging nicht. Sie hatte ein wenig zu grobe Knochen, ein wenig zu viel Gewicht und in Wahrheit absolut keinerlei musische Begabung. Also da war nichts zu machen. Jeder Mensch hatte seine eigene Begabung, etwas, was er besonders gut konnte und dadurch seine eigenen Erfolgserlebnisse fühlen konnte. Sie, unser Mädchen, hatte aber keine solche Begabung. Sie konnte diese zumindest nicht finden. In der Schule war sie normaler Durchschnitt, weder in Mathe noch in Sprachen war sie besser oder schlechter als die Anderen. Singen, nun, das war wie bei den meisten jungen Menschen, laut, falsch und mit Begeisterung. Also auch nicht das Wahre. So träumte sie weiter, jede Nacht, von Odette und dem Schwanensee.
Dann veränderte sich ihr Leben unbemerkt, ungewollt und ohne Vorahnung. In der Schule im Malunterricht kam eine Malerin und fragte die Kinder, ob sie eine Ahnung von Ölfarbe hatten. Die Malerin erklärte den Kindern, aus welchen Materialien Ölfarben bestehen, wie man diese herstellte und das wurde auch gleich ausprobiert. Das begeisterte unsere junge Heldin. Sie mochte es, aus einem einfachen Grundstoff, auch wenn es bei manchen Farben nur Erde war, und ein paar Zusatzstoffen, eine wunderschöne, leuchtende Farbe herzustellen.  Fieberhaft wartete sie schon auf den nächsten Malunterricht. Es fehlte ihr der Geruch, die Spannung, einfach alles. Und trotzdem träumte sie wieder von Odette.
Dann war endlich wieder Malunterricht und die Kinder durften die hergestellten Farben ausprobieren. Das Mädchen fuhr langsam mit den Fingerspitzen über die weichen Borsten der Pinsel, um den für ihre Hand Richtigen zu finden. Doch dann, wie von einem Magnet angezogen, hatte sie ihn. Sie tauchte ihn in die Farben und zauberte damit auf der weißen Leinwand. Erst zaghaft, dann flotter und letztendlich vergaß sie sämtliche Zeit. Es gab nur mehr Farbe, Leinwand, Pinsel und die Hand, die führte. Je mehr sie ihre Hand bewegte, umso mehr Leben hauchte sie der Leinwand ein. Ein Farbenspiel der Seele entstand und das Ergebnis war traumhaft. Das entstandene Bild stellte nicht wirklich etwas dar, es war nur einfach schön, beruhigend und ausgeglichen. Die Malerin war ganz begeistert und schenkte dem Mädchen einige Farben und Pinsel, damit sie etwas üben konnte. Das machte sie und in jeder freien Minute malte sie und es entstanden wunderbare Bilder. Jedes große Gefühl, jede Freude, jede Traurigkeit, alles wurde von ihr in Farben getaucht und beim Betrachten der Bilder war dies von Jedem spürbar. Doch ihr bestes Bild war ihre innere Befreiung von einem Traum. Odette.
© Karin Pfolz