Ihr denkt, dass ihr Hexen kennt? Seid ihr sicher? In diesem Buch lernt ihr jedenfalls die Flickenhexe kennen, erlebt, wie sie den Streit mit den Gurkenhexen schlichtet, erfahrt, weshalb das Haus der Porzellanhexe in Scherben gegangen ist und warum die Seifenblasenhexe keine eckigen Seifenblasen mit Marmeladefüllung machen kann. Zudem macht ihr Bekanntschaft mit der Gewitterhexe, der Mondhexe, der Safthexe und einigen mehr.

 

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Auszug:

An diesem Morgen hatte die Flickenhexe denkbar schlechte Laune, denn sie war am Abend zuvor sehr spät schlafen gegangen. Sie saß also auf der Bettkante, kratzte sich den Kopf und gähnte so laut, dass sie das Läuten an der Haustür beinahe überhört hätte.

„Wer schellt denn schon so früh am Morgen bei mir?„ murmelte sie grämlich, schlüpfte in den linken Pantoffel, fand den rechten nicht und schlurfte hinkend – ein Fuß nackt, einer im Latsch – - zur Haustür. Missmutig öffnete sie, steckte den zerzausten Kopf zur Tür hinaus und – da stand der Hexenbriefträger mit seinem geflügelten schwarzen Pferd.

„Was ist los?„, fragte sie mürrisch.

„Oh!„ Der Briefträger grinste. „Oh! Da hat jemand wohl schlecht geschlafen? Flickenhexe, du siehst ja aus wie ein zerknautschter Kartoffelsack!. Hier habe ich einen Brief für dich aus Gurkstadt. Vielleicht heitert der dich auf.„

Und neugierig fragte er: „Wen kennst du denn dort?„

Die Flickenhexe war heute wirklich schlecht drauf, denn sie knurrte nur etwas Unverständliches, riss dem winzigen Männlein den Brief aus der Hand und schlug die Haustür zu.

Der Briefträger nahm die Mütze ab, starrte die Tür an und kratzte sich nachdenklich den Kopf.

Dann zuckte er die Schultern, setzte die Mütze wieder auf, bestieg sein schwarzes Postross und rauschte durch die Luft davon.

Er nahm der Flickenhexe die Unhöflichkeit nicht übel, denn eigentlich war sie ja sehr lieb und

hilfsbereit. Jeder stand mal mit dem verkehrten Bein zuerst auf!

Die kleine Hexe schlurfte mit dem Brief in der Hand in die Küche, griff in ihre Haare und ... ach, verflixt noch mal, der Zauberstab ... wo trieb der sich wieder herum? .Sie rief nach ihm, doch er ließ sich nicht blicken.

„Donnerlittchen, so ein Mist!„. schimpfte sie lauthals. „Der versteckt sich absichtlich, nur, um mich zu ärgern!„

Auf die Idee, dass es – neben dem Schlafwandeln – an ihrer eigenen Unordentlichkeit liegen könnte, warum sie nie etwas fand, kam Miranda nicht.

Sie suchte vergeblich die Küche ab, also würde sie sich den kalten Kakao vom Vorabend wohl selber wärmen müssen. Nur gut, dass sie sich erst jüngst eine elektrische Leitung gezaubert und eine Mikrowelle angeschafft hatte. Man musste doch mit der Zeit gehen! Außerdem war so ein Maschinchen recht praktisch.

Sie wollte die Tasse mit der Milch in das Gerät stellen, öffnete das Türchen – und – da lag der Zauberstab in der Mikrowelle.

Miranda nahm ihn in die Hand und verlangte barsch:

„Ein Frühstück her! Mir knurrt der Magen! Der Hunger ist kaum zu ertragen.

Auch baden will ich, mit Vergnügen in herrlich warmem Wasser liegen.

Ach, du lieber Hexenbesen! Was war denn das? Ein falscher Zauberspruch?

Ein Weißbrot flog durch die Luft, gejagt von einem Messer und verfolgt von Butter und Marmelade. Eine große Zinkbadewanne, gefüllt mit warmem Wasser, schoss durch die Küche und kam kurz vor dem Herd zum Stehen. Das Wasser schwappte in hohem Bogen auf die Herdplatte und weil im Ofen ständig ein Feuer brannte, zischte und dampfte es fürchterlich.

Der Zauberstab war wütend! Na ja! Mit Recht! Die Mikrowelle war ja nicht der beste Schlafplatz …

© Renate Anna Becker