Carolin und Nick helfen in den 1980er Jahren bei der Renovierung der Burg Dringenberg. Dabei machen sie einen geheimnisvollen Fund. Sie entdecken alte Schriften aus der Gründungszeit des Ortes.
Geschrieben wurden sie von dem Mädchen Clara, die 1322 als Zwölfjährige mit ihrer Familie in das neue Dorf auf dem Berg zog.
Clara hat eine gefährliche Gabe - sie ist hellsichtig. Aus Angst, als Hexe angesehen zu werden, versucht Clara ihre Gabe geheim zu halten. Doch sie fühlt sich zerrissen, denn sie hat Träume, die sich mit dem strengen Frauenbild ihrer Zeit nicht vereinbaren lassen.
In dem Dorf zieht die geheimnisvolle Odilia sie in ihren Bann. Odilia ist eine gebildete Frau mit einer völlig anderen Lebensanschauung. Sie lehrt Clara nicht nur lesen und schreiben, sondern bestärkt sie auch darin, ihren eigenen Weg zu gehen. Doch der ist gefährlich. Odilia gerät bald in den Verdacht, eine Hexe zu sein und auch Clara als ihre Schülerin befindet sich in großer Gefahr.
Die Hexenschülerin ist eine spannende Zeitreise für Mädchen und Jungen ab etwa 10 Jahren

 

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Auszug
Beatrix und Clara lachten, obwohl der Marsch durch den Regen immer anstrengender wurde und wirklich kein Vergnügen war.
Das Pferd trottete gleichmäßig und unerschütterlich den Weg hinauf. Aber schon wurde die Straße schlammiger. Sie hielten ihre Köpfe gesenkt, so dass der Regen nicht in ihre Gesichter prasseln konnte. Ihre Röcke klebten schon jetzt an den Beinen und sie hatten noch ein ziemliches Stück des Weges vor sich.
Plötzlich hörten sie hinter sich ein Geräusch. Klappern, Poltern und….
„Das ist eine Kutsche!“, schrie Beatrix gegen den tosenden Regen an. „Das sind eindeutig Wagenräder und Hufeklappern.“
Die Mädchen drehten sich neugierig um. Waren sie doch nicht die einzigen, die bei diesem Wetter unterwegs waren? Hinter ihnen kam eine kastenförmige Kutsche den Weg hinauf. Im gleichen Moment war das dumpfe Dröhnen des nahenden Donners zu hören. Ein Blitz zuckte auf die Erde und erleuchtete den dichten Wald rechts und links von ihnen.
„Wir müssen uns beeilen!“, schrie Beatrix ihrer Freundin zu. Der Weg ist irgendwann nicht mehr passierbar. Wir müssen nach Hause.“
„Ich habe Angst!“, heulte Uta jetzt und zerrte an dem Rock ihrer Schwester. Aber Clara stand gelähmt vor Schreck da und starrte auf die näher kommende Kutsche. Sie sah die Pferde, die sich ebenso verbissen den schlammigen Weg entlang kämpften wie ihr eigener Ackergaul. Der Kutscher oben auf dem Wagen ließ die Peitsche knallen. Seine Kleidung triefte vor Nässe.
Clara erkannte das Bild. Doch sie war unfähig, sich zu bewegen.
Das konnte doch nicht sein. Nein, das durfte einfach nicht sein! Nein, nein nein! schrie es in ihr.
„Nein!“, schrie sie tonlos.
„Clara, komm!“, weinte Uta.
Sie hörte die Stimme ihrer Mutter, als sie von ihrer Ahnin erzählte: „Sie träumte von einem armseligen Häuschen am Rande des Nachbardorfes. Darin lag eine Frau, die ihr Kind nicht zur Welt bringen konnte.“
Sie selbst hatte auch geträumt.
Sie hatte von einem Unfall geträumt.
„Nein!“, schrie sie und hielt sich verzweifelt den Kopf.
Uta und Beatrix standen hilflos daneben. Sie ahnten nicht, was in Clara vorging.
Doch dann löste sie sich plötzlich aus ihrer Erstarrung.
Sie begann zu laufen.
Sie stolperte so schnell sie konnte, mit ausgebreiteten Armen über den verschlammten Weg der Kutsche entgegen.
„Kommt raus!“, schrie sie. „Verlasst die Kutsche!“
Sie handelte ohne zu Überlegen. Von einer inneren Kraft getrieben.
„Was redest du da, Mädchen?“, fuhr der Kutscher sie an. „Wir müssen weiter. Wir müssen das Dorf erreichen. Geh aus dem Weg!“ Wieder ließ er die Peitsche knallen. Clara hatte schon Angst, er würde sie überfahren.
„Verlasst die Kutsche!“, rief sie fest. „Bitte! Vertraut mir doch!“
Sie versuchte, die Zügel zu greifen. Die Kutsche durfte doch nicht weiterfahren!
Dann erst erkannte sie das Wappen des Bischofs auf dem Wagen. Der schwere Vorhang hinter der Öffnung oberhalb der Kutschentür wurde beiseite geschoben und der Kirchenfürst blickte heraus. Sein Blick war erzürnt. Das plötzliche Unwetter war schon schlimm genug. Aber jetzt noch diese Verzögerung…
„Was ist los?“, fragte er verärgert.
„Verlasst die Kutsche!“, schrie Clara, ohne darauf zu achten, mit welch hohem Würdenträger sie sprach. Sie hatte Angst. Nicht vor dem Bischof, sondern vor dem, was geschehen würde. Sie sah ihr Traumbild so lebhaft vor sich.
Wieder fuhr ein Blitz auf die Erde herab. Es sah gespenstisch aus vor dem dunklen Himmel. Dabei war es doch mitten am Nachmittag eines warmen Sommertages.
© Rotraud Falke-Held