Dachlukenkind – das sind die gesammelten Notizen über eine Kindheit als ungewollte Tochter und deren weiteres Leben mit der Angst.
In mehreren psychiatrischen Therapien findet sie zu sich selbst, und sie findet eine Partnerin, die ihr Halt gibt.
Das Buch ist schonungslos und wirft einen beeindruckend realistischen Blick darauf, was sich hinter den Kulissen familiären Zusammenlebens verbergen kann.

 

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Auszug:
Fing 1997 alles an?
Endlich ist er gekommen, der geliebte Frühling.
Ich glaubte schon, die langen Wintermonate mit ihrem tristen Grau wollten nie enden.
Immer, wenn ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke schauten und ich hoffte, jetzt ist es so weit, verschwanden sie wieder.
Es passte alles zusammen, das nicht enden wollende, kalte, graue Wetter und meine schmerzlichen Erinnerungen.
Immer öfter wurde ich krankgeschrieben. Musste in stationäre Behandlung. Hatte viel zu hohen Blutdruck. Schwindel machte mich arbeitsunfähig.
Ich wurde vom Arbeitsplatz weg in die Notaufnahme eingeliefert.
Die Prozedur begann. Langzeitblutdruck, Herzultraschall, EKG, Schilddrüsenultraschall, Venendoppler…
Nichts wurde ausgelassen! Alles ohne Befund. Im Frühjahr 1998 dann Einlieferung in die Endokrinologie. Wieder wurde alles gecheckt.
Als sie die Schilddrüse untersuchten, fragten sie, ob ich daran schon mal operiert wurde. Nein, sagte ich. Später jedoch fiel mir ein: Mit vier Jahren lag ich ein Vierteljahr in der Kinderklinik. Sie wollten herausfinden, ob meine Drüsen richtig arbeiten.
Die damaligen Untersuchungen empfand ich als grausam. Jeden zweiten Morgen holten sie mich.
Ich kam auf eine Liege. Die Arme wurden festgeschnallt und der Kopf ganz nach hinten. Es gab einen halbrunden Ausschnitt am Kopfende, damit der Hals richtig gestreckt wurde. In dieser Position bekam ich in jede Halsseite eine Spritze. Ich weiß nicht, wie viele Wochen es so ging. Nur eines weiß ich, es war die reinste Folter.
Das war damals. Doch auch jetzt fand man keine Erklärungen für mein Befinden.
Eines Nachts wurde eine volltrunkene Patientin eingeliefert. Sie wurde in unser Zimmer gelegt.
Und ich bekam einen Panikanfall. Musste raus.
Konnte den Anblick nicht ertragen. Ich erinnerte mich an meine alkoholkranke Mutter.
Am nächsten Tag bat ich die Stationsärztin um psychologische Hilfe.
Ich bekam einen Termin für Mai in der PTM.
Für so ein Gespräch ist immer eine Stunde geplant.
Wir brauchten anderthalb.
Ein zweiter Termin wurde gemacht.
Aufbruch es will raus ich lasse es zu es macht stolz ich bin froh raus mit den Ängsten ich befreie mich.
© Marion Krüger