Die Welt der Magie und des Mystischen öffnet sich. Wir laden Sie ein, den Schritt zu wagen und einzutauchen in die Geschichten dieser Welten.

Hexen, Feen und Magier; verzauberte Dinge, phantastische Reisen - all das wartet auf Sie.

Dieses Buch beinhaltet die besten Geschichten dieses Themas und wurde ausschließlich von Autorinnen und Autoren verfasst, die damit in die Nominierung zum "Best-Story-Preis 2016" des Karina-Verlages aufgenommen wurden.

Ein magisches Lesevergnügen für Jeden.

 

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Auszug aus: Robin

Die alten Geschichten erzählten, dass Drachen böse, gefährlich und gemein waren. Hätten sie Robin gekannt, hätten sie die Geschichten anders erzählen müssen.
Robin war zwar auch ein richtiger Drache, aber wesentlich kleiner als seine Artgenossen, jedoch konnte auch er Feuer spucken und hatte messerscharfe Zähne. Jedoch trat er jedem, egal ob Mensch oder Tier, freundlich gegenüber.
Seine Familie versuchte zwar, ihn davon zu überzeugen, wie ein richtiger Drache in ihren Augen – gemein und gefährlich– sein sollte, doch Robin hatte dazu keine Lust. Er war einfach nur nett und wollte Gutes tun. Er hatte keinerlei Aggression in sich. Er war der Meinung, dass Harmonie besser sei als Streit und Feindseligkeit.
Also verließ er seine Sippe, um sich auf die Reise zu machen. Er wollte einen Ort finden, wo er in Ruhe und Frieden leben konnte. Wo keiner glaubte, dass Drachen immer nur böse sind. Aber gab es so einen Ort überhaupt? Glaubten nicht alle nur das Schlechteste über diese Wesen? Um zu beweisen, dass es auch nette Drachen gab, machte er sich also auf den Weg.
Er wanderte über Berge und Täler, bis er an ein kleines Waldstück mit einem See und einer Höhle gelangte. Es gefiel ihm hier sofort, und er beschloss, erst einmal an diesem Ort zu bleiben.
Hier gab es alles, was er brauchte. In der Höhle hatte er genug Platz zum Schlafen, und das Gewässer war tief genug, um ein ausgedehntes Bad zu nehmen. Also der perfekte Ort.
Zwei Tage erholte er sich hier. Dann packte ihn die Neugierde und er wollte seine Umgebung erkunden. Auf seinen Streifzügen entdeckte er ein Dorf. Robin fand einen sicheren Platz, von dem er das Geschehen dort beobachten konnte, denn Menschen hatten ihn schon immer fasziniert.
Ein kleiner Junge fiel ihm dabei besonders auf. Er lachte viel und war zu allen freundlich und hilfsbereit. Er wollte ihn unbedingt kennenlernen. »Aber wie soll ich das machen?«, fragte Robin sich. »Sicher denken auch hier alle, dass wir böse sind«, hämmerte es in seinem Kopf. »Wie soll ich die Menschen nur überzeugen, dass ich anders bin?«
All diese Gedanken quälten ihn. Er wollte nicht mehr allein sein und endlich einen Freund haben. Wusste aber immer noch nicht, wie er es schaffen sollte, diesen kleinen Menschen kennenzulernen.
Robin beobachtete ihn Tag für Tag aus sicherer Entfernung und wartete auf eine passende Gelegenheit, wie er sich zeigen konnte. Seine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, aber eines Tages ergab sich diese Möglichkeit.
Der Drache sah, wie der Junge allein in den Wald lief. Er folgte ihm unauffällig. Am See hielt er an und setzte sich ans Ufer. Robin versteckte sich hinter einem Strauch und machte sich so klein, wie es nur ging, damit er unentdeckt blieb.
»Jetzt oder nie«, schoss es ihm in den Kopf. »Aber wie mache ich es nur, ohne ihm Angst einzujagen?«
Robin kam zu dem Entschluss, den Jungen einfach anzusprechen und wollte dann abwarten, was passierte. Natürlich hatte er Angst, dass das Kind einfach weglief, wenn es ihn sah, aber das musste er einfach riskieren. Langsam und verdeckt durch Sträucher schlich er sich näher an. Er nahm all seinen Mut zusammen und sagte leise: »Hallo.«
Der Junge schaute sich verwundert um, und als er niemanden sah, fragte er zögerlich: »Wer ist da?«, doch es kam keine Antwort. Erneut fragte er: »Wer ist da, zeig dich, ich habe keine Angst«, doch auch hierauf erhielt er keine Antwort.
Der Junge wollte gerade gehen, als er wieder ein leises Hallo vernahm. Er schaute in die Richtung, aus der er die Stimme vermutete. Da er aber immer noch niemanden sehen konnte, bewegte er sich vorsichtig auf den Strauch zu, von wo er glaubte, die Stimme gehört zu haben.
Leise sagte er: »Wer ist da, zeig dich.«
»Bist du dir sicher?«, fragte Robin.
»Natürlich.«
»Also gut, aber du musst mir versprechen, dass du nicht schreist und fortläufst, wenn du mich siehst. Denn ich will dir nichts Böses tun, sondern dich nur kennenlernen. Ehrenwort«
»Jetzt mach es nicht so spannend. Ich verspreche dir, ich werde nicht schreien und auch nicht fortlaufen.«
Und als der Drache dann aus dem Schutz des Strauches heraustrat, traute der Junge seinen Augen nicht. Diese wurden immer größer, aber er hielt wie versprochen Wort und trat nicht die Flucht an, so wie es sonst üblich war.
»Ich bin Robin. Wer bist du?«
»Ich bin Jim. Was machst du hier?«
Der Drache schaute den Jungen an und erzählte ihm dann, warum er seine Familie verlassen hatte und sich auf die Reise machte.
Jim hörte gespannt zu und als Robin mit Erzählen fertig war, fing er herzhaft an zu lachen.
»Was ist daran so lustig?«, wollte Robin wissen.
»Hier haben auch alle Angst vor Drachen.«
»Du aber nicht.«
»Das stimmt, aber glaube mir, das restliche Dorf hat Furcht, und ich glaube auch nicht, dass es überhaupt einen Ort gibt, wo Drachen und Menschen friedlich zusammenleben.«
»Aber warum haben denn alle solche Angst vor uns?«
»Das ist nicht schwer zu erklären. Es gibt viele alte Erzählungen, da sind Drachen immer die Bösen. Sie haben Dörfer zerstört und Angst und Schrecken verbreitet. Diese Geschichten sind in den Köpfen der Menschen so tief verwurzelt, dass sie davon ausgehen, dass jeder von euch böse ist.«
Verwundert schaute Robin Jim an. »Erzählst du mir alle Geschichten, die du kennst? Bitte. Ich muss einfach wissen, was da alles passiert ist.«
»Na gut«, antwortete er und fing an. Lange saßen sie so zusammen, und als der Junge geendet hatte, wunderte sich Robin nicht mehr, warum die Leute so eine Angst vor seiner Art hatten und schämte sich dermaßen, zu diesen Monstern, wie die Menschen sie nannten, zu gehören.
»Kein Wunder, dass ihr solches Grausen vor uns habt! Wenn sie doch nur mich kennen würden, dann würden sie sehen, dass es auch Ausnahmen gibt.«
Robin schaute Jim fragend an.
»Los, raus mit der Sprache. Dir liegt doch noch etwas auf dem Herzen?, fragte er.«
»Da hast du recht. Ich wundere mich immer noch darüber, dass wir beide miteinander reden können. Schließlich bist du ein Mensch und ich ein Drache. Alle anderen Menschen, auf die ich bisher gestoßen bin, konnten mich nicht verstehen und auch ihre Worte waren für mich unverständlich. Wieso verstehe ich also dich?«
»Es wird erzählt, dass, wenn beide Parteien reinen Herzens sind und sich gegenseitig kein Leid zufügen wollen, sie durch Magie miteinander verbunden sind und dadurch eine gemeinsame Sprache sprechen können. Ich muss zugeben, ich habe daran nie geglaubt, aber wie man sieht, stimmt es.«
»Darf ich dich noch um etwas bitten? «, gab Robin etwas schüchtern von sich.
»Sicher, schieß los!«
»Ich würde so gerne die Leute aus deinem Dorf kennenlernen. Du kannst ihnen doch sagen, dass ich nett bin.«
»Ich glaube, wir sollten damit noch etwas warten, bis wir dich präsentieren. Erst einmal müssen wir uns einen guten Plan überlegen, wie wir die ganze Sache angehen. So lange können wir uns doch hier weiter treffen, und dann fällt uns bestimmt gemeinsam etwas ein. Was hältst du davon?«
»Das ist eine gute Idee«, und so kam es, dass sie sich regelmäßig am See trafen und richtig gute Freunde wurden.
Jim erzählte Robin immer mehr Geschichten. Immer wieder lauschte er gespannt diesen Erzählungen und schämte sich immer mehr dafür, was Drachen Menschen schon alles angetan hatten.
Eines Tages kam Jim nicht zum verabredeten Zeitpunkt. Robin wartete und wartete, aber sein Freund kam nicht. »Wo bleibt er nur? Sonst ist er doch immer pünktlich. Hoffentlich ist nichts passiert?«, dachte Robin sich.
Die Sorge um seinen Kameraden wurde immer größer, und deshalb machte er sich einfach auf den Weg Richtung Dorf ...

 

© Britta Kummer